Berichte

Übergreifendes Jahresthema

"Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft"

Protokoll eines Expertengespräches
am 13.10.2016, 18:00 Uhr
in Räumen des Arbeitskreises Kinder- und Jugendschutz (AKJS)
Flämische Str. 6-10, 24103 Kiel


Das Projekt "ZUGÄNGE SCHAFFEN" - Konzeptwerkstatt "Antisemitismus" ist ein Bundesmodellprojekt des Bundesprogramms "Demokratie leben" in Trägerschaft des Vereins Miteinander leben e.V. mit dem Auftrag, zusammen mit Experten Erfahrungen mit neuen Konzepten zur Vermittlung von Inhalten in den Themenkomplexen "Antisemitismus", "Aktueller Antisemitismus" oder "Zeitgemäße Vermittlung des Holocaust" zu sammeln, zu bewerten und öffentlich zugänglich zu machen.

 

Dabei steht zum einen die Konzeptentwicklung für die schulische Unterrichtspraxis im Fokus der Projektarbeit. Im Rahmen eines Expertennetzwerkes werden zu jeweils unterschiedlichen Themenschwerpunkten Lehrkonzepte zusammengetragen oder auch entwickelt und nachfolgend im Unterrichtsbetrieb des Projektes in Schulen der Region ausgetestet, auf ihre Wirksamkeit evaluiert und abschließend dem zuständigen Bildungsministerium als Empfehlung vorgestellt. Dieser Prozess wird begleitet von Lehrerfortbildungen und vertiefender Netzwerkarbeit mit den beteiligten Institutionen.

 

Das Projekt "ZUGÄNGE SCHAFFEN" verfolgt darüber hinaus aber auch das Ziel, zusammen mit den jüdischen Gemeinden der Region zeitgemäße Konzepte zu entwickeln , um für aktuelle antisemitische Tendenzen in der Mitte der Gesellschaft zu sensibilisieren und das Phänomen in den Kontext eines öffentlichen Diskurses zu stellen. Hierbei geht der Projektträger von der Prämisse aus, dass die Beschäftigung mit den Thema „Antisemitismus“ überwiegend nur in kleineren Zirkeln interessierter Bürger*innen erfolgt, ein Problembewusstsein in der Breite der Gesellschaft allerdings nur wenig anzutreffen ist, ebenso wie die Kenntnis über jüdisches Leben in der Region. Da es, wie es sich am Thema „Rechtsextremismus“ nachvollziehen lässt, durchaus möglich ist, die Gesellschaft in größerem Umfang für Problemlagen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zu sensibilisieren, stellt sich, hier die Frage, warum dies zum Thema „Antisemitismus“ nur wenig gelingt. Liegt es an der im Vergleich zu rechtsextremen Taten geringen medialen Wahrnehmung von antisemitischen Vorfällen, an der geringen medialen Wahrnehmung von jüdischem Leben in der Region, am allgemeinen Desinteresse gegenüber jüdischem Leben, an einer perspektivischen Verzerrung, unter der jüdisches Leben immer noch im historischen Kontext des Holocaust wahrgenommen und die Gegenwart dabei ausgeblendet wird? Oder liegt es daran, dass in der Mitte der Gesellschaft wenig deutlich ist, was unter Antisemitismus zu fassen ist, in welchen Facetten sich dieser äußert und wie die Äußerungen in den jüdischen Gemeinden wahrgenommen werden? Ist es also eine Frage von medialer Darstellung, von pädagogischer Sensibilisierung oder richtiger Wahl der Veranstaltungsformaten, über die hier diskutiert werden sollte, um das Phänomen des Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft sichtbarer, begreifbarer und auch als Problem, das gesamtgesellschaftliches Handeln erfordert, erkennbarer werden zu lassen?

 

Diesen Fragen wurden in Kooperation mit dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein im Rahmen eines Expertengespräches am 13.10.2016 in Räumen des Arbeitskreises Kinder- und Jugendschutz (AKJS) Kiel erörtert.


Teilnehmerkreis:


  • Antja Groeneveld vom Arbeitskreis Kinder- und Jugendschutz (AKJS)/ Rechtsextermismusprävention und Mitglied der jüdischen Gemeinde Kiel

  • Annika Vajen vom Arbeitskreis Kinder- und Jugendschutz (AKJS)/ Rechtsextermismusprävention

  • Jan Riebe von der Amadeo-Antonio-Stiftung

  • Rabbiner Dr. Yakov Yosef Harety

  • Solveig Steinkamp, Mitglied der jüdischen Gemeinde Bad Segeberg,

  • Sieghard Bußenius, Verein Miteinander leben e.V. und Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

  • Tim Kiefer, Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Lübeck

  • Gabriele Hannemann, Projektleiterin ZUGÄNGE SCHAFFEN und Vorsitzende des Vereins Yad Ruth e.V.

  • Mark Sauer, Vorsitzender des Verein Miteinander leben e.V. und Projektkoordinator ZUGÄNGE SCHAFFEN


Protokoll des Expertengesprächs

 



Jahresthema 2016

"Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"


Grundschüler*innen nähern sich schreibend dem Leben von Anne Frank


An zahlreichen Grundschulklassen  hat der Verein Miteinander leben e.V. in diesem Jahr im Rahmen seines Bundesmodellprojektes "ZUGÄNGE SCHAFFEN - Konzeptwerkstatt Antisemitimsus" mit Lehrmaterialien zum Thema "Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa ab Klassenstufen 4" gearbeitet und diese im Hinblick auf Verständnis, Wissensvermittlung und emphatische Zugänge untersucht. Zum Einsatz kamen dabei empfohlene oder selbstentwickelte Materialien, die jeweils in Abstimmung mit den Lehrkräften und mit Zustimmung der Eltern ausgewählt wurden. Sie folgen der Empfehlung der International School of Holocaust Studies - Yad Vashem, die in der frühen Vermittlung der Shoa inzwischen einen zentralen Baustein ihrer pädagogischen Arbeit sieht . Dabei handelt es sich zumeist um kindgerecht erzählte Geschichten, die einen ersten Zugang in die Zeit der Judenverfolgung ermöglichen, Geschichten, in denen es um Angst, Traurigkeit, Mut, Zivilcourage, aber immer auch um Hoffnung geht und in die dabei erzählend geschichtliche Fakten vermitteln.

Das Anne Frank Zentrum Berlin, ein wichtiger Kooperationspartner in diesem Projekt, hat für diese Altersgruppe neben seinen Lehrmaterialien vor allem die Ausstellung „Lesen & Schreiben mit Anne Frank" empfohlen, die sich über das Thema "Schreiben" der Geschichte von Anne Frank und ihrem Tagebuch nähert und daher auch  gut für Kinder der Alterstufe 9 - 12 geeignet ist. Durch die Beantwortung einfacher Fragen zu ihrer eigenen Umgebung, entdecken die Kinder, dass Geschichten selbst schreiben nicht schwer ist. Man schreibt mehr als man denkt. Anne Frank ist dabei ein inspirierendes Beispiel. Schüler hören die Geschichten von ihrem Geschichtebuch und lernen so über die Bücher, die sie gelesen hat, über die Geschichte der Familie Frank, aber auch über die großen historischen Ereignissen des Zweiten Weltkrieges. 

Grundschüler*innen der Till-Eulenspiegel-Schule Mölln arbeiten in der Ausstellung "Lesen & Schreiben mit Anne Frank"

Grundschüler*innen der Till-Eulenspiegel-Schule Mölln arbeiten in der Ausstellung "Lesen & Schreiben mit Anne Frank"
Grundschüler*innen der Till-Eulenspiegel-Schule Mölln arbeiten in der Ausstellung "Lesen & Schreiben mit Anne Frank", die aktuell in der Gemeinschaftsschule Laueburgische Seen in Ratzeburg gezeigt wird

Die Ausstellung wird den gesamten November über im Kreis gezeigt, aktuell an der Gemeinschaftsschule Lauenburgischen See in Ratzeburg und danach an der Friedegart-Belusa-Gemeinschaftsschule in Büchen, immer verbunden mit einer Einladung an die benachbarte Grundschule, sie mit ihren vierten Klassen aufzusuchen und mit dem Arbeitsmaterial des Anne Frank Zentrums am Tagebuch von Anne Frank zu arbeiten, um es mit der eigenen Umgebung zu verbinden. Projektleiterin Gabriele Hannemann koordiniert und betreut solche Ausstellungsbesuche und gibt auf Wunsch auch vorbereitende Hilfestellung.

Die Erfahrungen der jungen Ausstellungsbesucher*innen werden anschließend in einfachen Fragebögen festgehalten und fließen in eine Gesamtuntersuchung der Konzeptwerkstatt "ZUGÄNGE SCHAFFEN" ein. Aus ihr werden Empfehlungen für das Bildungsministerium und das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) entwickelt, zu Konzepten, Methoden und Lehrmaterialien, die gut geeignet sind, um das Thema "Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa" bereits in der Grundschule zu bearbeiten.


Jahresthema 2016

"Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"


Kostenlose Lehrerfortbildung zum Thema "Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule - Konzepte, Methoden, Lehrmaterialien, Erfahrungen"

Am 13.10.2016 wird im Rahmen der Konzeptwerkstatt "Antisemitismus" in Zusammenarbeit mit  Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) eine kostenfreie Lehrerfortbildung zum Thema "Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule - Konzepte, Methoden, Lehrmaterialien, Erfahrungen"  in Neumünster angeboten, die sich insbesondere, aber nicht ausschließlich an Grundschulpädagogen sowie Pädagogen der Orientierungsstufe richten soll.


"Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule - Konzepte, Methoden, Lehrmaterialien, Erfahrungen"
13.10.2016, 10:00 – 16:30 Uhr
Kiek in! Neumünster

Referenten:

Birte Hewera studierte Soziologie an der Universität Duisburg-Essen. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin. Dort promovierte Sie mit einer Arbeit zu dem österreichisch-jüdischen Essayisten Jean Améry. Forschungs- und Lehrschwerpunkte u.a. Zeugenschaft der Shoah, Nachkriegsöffentlichkeit in Deutschland, Diskurse über die Shoah. Von 2015-2016 Mitarbeit im Projekt "Zeugen der Shoah. Lehren und Lernen mit Video-Interviews". Seit Anfang 2015 ist sie Mitarbeiterin der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem.

Veronika Nahm leitet den Bereich Berliner Ausstellung und Pädagogik im Anne Frank Zentrum. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind derzeit historisches Lernen in der Grundschule, die Verknüpfung von historischem Lernen und Menschenrechtsbildung sowie die pädagogische Arbeit gegen Antisemitismus und andere Diskriminierungsformen im europäischen Kontext. Sie hat in München, Berlin und Paris Geschichte und Jura studiert. Von 2004 bis 2007 arbeitete sie für den Bereich Bildung und Vermittlung des Deutschen Historischen Museums. Sie ist Mitglied der Kommission Europäische und Internationale Bildungsarbeit im Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten.

Gabriele Hannemann ist Lehrerin am Förderzentrum Mölln. Sie leitet das Bundesmodellprojekt ZUGÄNGE SCHAFFEN des Vereins Miteinander leben e.V. , in dessen Rahmen die Fortbildung angeboten wird. Bereits im Rahmen des Vorgängerprojektes OPEN MIND – Leben mit dem gelben Stern hat sie über viele Jahre mit Schulklassen zu den Themen „Judendtum“, „Holocaust“ und „Antisemitismus“ in der Region Herzogtum Laueburg/ Lübeck / Stormarn gearbeitet und in diesem Rahmen auch Lehrerfortbildungen in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem organisiert. Sie leitet darüber hinaus den Verein Yad Ruth e.V. in Hamburg, der Überlebende des Holocaust unterstützt und zusammen mit ihnen in Schulen dir Möglichkeit persönlicher Begegnungen schafft. Gabriele Hannemann ist Autorin des Kinderbuches „Marisha - Das Mädchen aus dem Fass“, welches die wahre Geschichte von Malka Rosenthal erzählt.

Programm:

09:30 Uhr – 10:00 Uhr: Ankunft

10:00 Uhr: Begrüßung durch Frau Dr. Tschekan, Leiterin des IQSH

10:15 Uhr – 12:30 Uhr:  Einführung in die Fragestellung

„Macht es Sinn, die Arbeit zur Shoa schon in der Grundschule zu beginnen?“
  • Vorstellung der Lehrkonzepte von Yad Vashem und des Anne-Frank-Zentrums
  • Erfahrungsbericht von Gabriele Hannemann aus dem Lehrbetrieb
  • Diskussion

12:30 Uhr – 13:30 Uhr: Mittagspause

13:30 Uhr – 16:00 Uhr: Vorstellung der Lehrmaterialien
(jeweils 30 bis 45 Minuten unter Berücksichtigung von Fragen der Teilnehmer*innen)   


Anne-Frank-Zentrum
Veronika Nahm stellt „Nicht in die Schultüte gelegt. Schicksale jüdischer Kinder 1933-1942 in Berlin“ vor, ein Lernmaterial zu  historischem Lernen und  Kinderrechten«. Darüber hinaus hat das Anne Frank Zentrum in Verbindung mit dem Anne Frank Haus in Amsterdam verschiedene  Materialien zum Thema Anne Frank, ihrem Tagebuch und dem Leben im Versteck im Hinterhaus entwickelt.

Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS) Yad Vashem
Birte Hewera stellt das Unterrichtsmaterial „Tommy“ vor. Es ist für sehr junge Lerngruppen konzipiert worden und eignet sich insbesondere für die 1.-4. Klasse der Grundschule

YAD RUTH e.V. - ZUGÄNGE SCHAFFEN
Gabriele Hannemann stellt das von ihr geschriebene Kinderbuch : „Marisha - Das Mädchen aus dem Fass“ vor. Sie berichtet über Erfahrungen mit diesem Buch im Hinblick auf die Erstbegegnung mit der Shoa in der Grundschule vor und stellt Bewertungen von Kindern dar sowie eine erarbeitete Lernkartei der Gemeinschaftsschule Mölln vor.

16:00 Uhr – 16:30 Uhr: Vorstellung von Evaluationsergebnissen zum Lehrmitteleinsatz im Werkstattbetrieb von ZUGÄNGE SCHAFFEN

Gabriele Hannemann gibt einen Überblick über bereits durchgeführte Erhebungen zu „Marisha – Das Mädchen aus dem Fass“, „Gern wäre ich geflogen wie ein Schmetterling“ und „Das Hinterhaus Online“

Anmeldungen

Beim IQSH über das System Formix unter der Nummer GES 0191 und beim Verein Miteinander leben e.V. unter miteinander.leben@t-online.de

Träger der Fortbildung
Verein Miteinander leben e.V. – Bundesmodellprojekt ZUGÄNGE SCHAFFEN in Kooperation mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)

Jahresthema 2016

"Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"

Aktueller Stand unserer Projektarbeit - 01.09.2016

Das erste Schulhalbjahr des Werkstattbetriebes im Bundesmodelprojekt Projekt ZUGÄNGE SCHAFFEN ist vorbei mit einem aus Sicht des Projekträgers gutem Arbeitsergebnis. Die Werkstatt war an vier Grundschulstandorten aktiv, an der Till-Eulenspiegel-Schule Mölln, an der Grundschule Mühlenredder Reinbek, an der Grundschule Fürstin-Ann-Marie-von-Bismarck in Aumühle sowie an der Grundschule Nord-Ost in Schwarzenbek und hat dort mit insgesamt 11 Klassen der Jahrgangsstufe 4 gearbeitet. Am Unterricht sowie der durchgeführten Evaluation beteiligten sich insgesamt 206 Schüler*innen (89 männlich / 117 weiblich).

Zum Einsatz kamen als Lehrwerke „Gern wäre ich geflogen – wie ein Schmetterling“, „Marisha, das Mädchen aus dem Fass“ sowie auch „Anne Frank - Das Hinterhaus Online“. Zu den einzelnen Lehrwerken wurde mittels abgestimmter Fragebögen eine Befragung durchgeführt, die insbesondere das Verständnis der eingesetzten Geschichten, die dort erfolgte Wissensvermittlung, den emphatische Zugang sowie das weitergehendes Interesse an dem Themen „Judentum“ und „Holocaust“ umfassten.

Begleitet wurde diese Befragung von einer Erhebung zu den Themen „Ursprungswissen Judentum“ und „Ursprungswissen Holocaust“, um bestehendes Vorwissen einschätzen zu können. Die Mitwirkung an den Erhebungen war insgesamt positiv, wenn auch zeitintensiv, da für viele Grundschüler*innen zunächst ungewohnt.

Die Auswertung der Fragebögen in den Bereichen Textverständnis, Wissensvermittlung, emphatischer Zugang und weiterführendes Interesse, soll jetzt parallel zum weiteren Unterricht im neuen Schuljahr beginnen. Der Projektträger verwendet dabei das Programm GrafStat. Ziel ist es, erste Ergebnisse am 13.10.2016 im Rahmen einer landesweiten Lehrerfortbildung beim IQSH in Kiel vorlegen zu können.

Im November wird als weiteres Lehrmedium die Wanderausstellung "Lesen und Schreiben mit Anne Frank“ für jeweils zwei Wochen an Grundschulen in Ratzeburg und im Büchen im Einsatz und dann ein Schwerpunkt der Befragung sein, wie auch das parallel eingesetzte Lehrmaterial „Nicht in die Schultüte gelegt. Schicksale jüdischer Kinder 1933-1942 in Berlin“.

Dem Werkstattkonzept entsprechend soll am Jahresende das Expertengremium noch einmal zusammenkommen, um die Evaluationsergebnisse zu diskutieren und Empfehlungen in den Abschlussbericht an das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein aufzunehmen.

Parallel soll am 13.10.2016 um 18:00 Uhr in Kooperation mit dem Beratungsnetzwerk Rechtsextremismus und dem Arbeitskreis Kinder- und Jugendschutz (AKJS) ein erstes Fachgespräch zum Thema „Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft“ im Anschluss an die dortige Lehrerfortbildung erfolgen. Hierzu wird Anfang September noch ein Thesenpapier an die Teilnehmer*innen versandt.

Abschließend noch der Hinweis, dass das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein zum neuen Schuljahr der beantragten Stundenerhöhung des Projektes von 4 Stunden zugestimmt hat, die über das Bundesprogramm finanziert werden sollen. Damit kann zukünftig auch ein Einsatz außerhalb Schleswig-Holsteins, vor allem im nahen Hamburg, erfolgen.


Jahresthema 2016

"Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"


Lehrmaterialen im Werkstattbetrieb


Im Werkstattbetrieb des Projektes "ZUGÄNGE SCHAFFEN" werden aktuell Lehrmittel eingesetzt, die von den Kooperationpartnern für den Einsatz zum Jahresthema "Frühe Prävention - Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klasse 4) empfohlen worden. Es handelt sich um vier Lehrmaterilalien, die in jeweils unterschiedlicher Weise eine kindgerechte Vermittlung des Themas in dieser Altersstufe anstreben:

1. Gern wäre ich geflogen – wie ein Schmetterling
(Empfehlung:
German Speaking Countries Section der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem)


Idee und Redaktion: Shulamit Imber, Dr. Noa Mkayton
Zielgruppe: Schüler/innen des 3. und 4. Schuljahres



Zum Konzept der Unterrichtseinheit:
  1. Das Buch handelt von der persönlichen Geschichte von Hannah Gofrith und ihrer Familie. Über das Medium der Familiengeschichte lernt der Leser auf altersgemäße Art und Weise die zentralen Eckpunkte der Geschichte des Holocaust kennen.
  2. Das Buch führt dem Leser die elementaren Konzepte und Grundbegriffe des Holocaust vor Augen, zum Beispiel: Kennzeichnung der Juden mit dem gelben Stern, Ghetto, Vertreibung, Aufstand, Versteck, Gerechte unter den Völkern, Tod und Überleben. Diese Konzepte und Begriffe werden im späteren Geschichtsunterricht in vertiefter Weise behandelt.
    Ziel in dieser Altersgruppe ist es nicht, die Geschichte des Holocaust zu vermitteln, sondern die Schüler mit den elementaren Konzepten, die in der Geschichte Hannah Gofriths enthalten sind, vertraut zu machen.
  3. Das Buch ist in Kapitel aufgeteilt, die die fortlaufende Geschichte von Hannahs Leben erzählen. Jedes Kapitel ist einem eigenen Thema gewidmet. Es ist nicht notwendig, sämtliche Kapitel zu unterrichten, und das Auslassen einzelner Kapitel beeinträchtigt nicht notwendig den kontinuierlichen Erzählfluss. Die Kapitel, die mit der jeweiligen Klasse besprochen werden sollen, sind sorgfältig auszuwählen.
  4. Während der gesamten Geschichte begleitet die erwachsene Figur der Hannah den jungen Leser. Auf diese Weise bleiben die Schüler nicht sich selbstüberlassen, wenn sie die furchtbare Geschichte kennenlernen.
  5. Das Buch erzählt Hannahs Geschichte vor, während und nach dem Holocaust. Damit werden wir der Überzeugung gerecht, dass wir, um das Ausmaß des Verlustes erfassen zu können, vertraut sein müssen mit jüdischem Leben vor dem Holocaust.

http://www.yadvashem.org/yv/de/education/lesson_plans/butterfly.asp
https://www.yadvashem.org/yv/de/education/lesson_plans/butterfly_laferton.pdf

2. Marisha,  das Mädchen aus dem Fass
(Empfehlung: Yad Ruth e.V.)


Von Gabriele Hannemann (Projektleiterin)
Illustrationen von Inbal Leitner

Es war kein Versteckspiel, aber ein verdammt gutes Versteck. Wo andere Kinder beim Spielen abenteuerlustig für ein paar Minuten hineinkriechen, muss Marisha eineinhalb Jahre ausharren. In einem dunklen Fass! Marisha ist Jüdin und darf nicht gefunden werden.

Dieses Buch erzählt die wahre Geschichte der kleinen Marisha, die ohne Vater und Mutter ganz tapfer sein muss.

Wie schafft man das? Und wer hat ihr dabei geholfen? In kindgerechter Sprache erzählt Gabriele Hannemann von der Flucht aus dem Ghetto, vom Hunger, von der Angst, vom Tod und vom Überleben Marishas bis hin zu ihrer Überfahrt auf der Exodus nach »Eretz Israel«, dem Land Israel.

Mit dieser authentischen Geschichte ermöglicht Gabriele Hannemann Kindern eine kindgerechte, emotional ansprechende und sensible Erstbegegnung mit der Shoah.

Besonders geeignet für den Unterricht.

Gabriele Hannemann, ist Lehrerin für Englisch, Deutsch und Religion. Seit 2004 unterrichtet sie im Rahmen des Bildungsprojektes. Open Mind – Leben mit dem Gelben Stern (ein Unterrichtsangebot für Klasse 4 bis 13 in Schleswig-Holstein). Sie ist Mitgründerin und 1. Vorsitzende von Yad Ruth e. V. in Hamburg zur Unterstützung von bedürftigen jüdischen Holocaustüberlebenden in Israel und Osteuropa, speziell im Baltikum und in Moldawien. 2013 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Inbal Leitner absolvierte die Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem und arbeitet als Illustratorin und Animationskünstlerin. Mit ihrem Filmen hat sie an internationalen Filmfestivals wie Annecy (Frankreich), Safo (Kanada) und Anima Mundi (Brasilien) teilgenommen. Sie illustriert Kinderbücher bekannter Autoren, darunter Uri Orlev oder Janusz Korczak. Inbal Leitner lebt mit ihrer Familie in Pardes Channa, Israel.

www.waldworte.eu


3. Nicht in die Schultüte gelegt. Schicksale jüdischer Kinder 1933-1942 in Berlin 

(Empfehlung: Anne Frank Zentrum Berlin)

Das Anne Frank Zentrum beschäftigte sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Frage, wie die Themen Nationalsozialismus und Judenverfolgung mit Schülerinnen und Schülern der Grundschule bearbeitet werden können. In der Verbindung aus pädagogischer Praxis und fachdidaktischer Reflektion entstand ein Material zur Arbeit in Lernwerkstätten und außerschulischen Projekten.

Das Lernmaterial bietet einen Einstieg in das Thema Nationalsozialismus für Kinder ab Klasse 4. Es basiert auf Alltagsgeschichten und Fotos von sieben Schülerinnen und Schülern, die von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt wurden. Es stellt nicht die Verbrechen der Nationalsozialisten in den Mittelpunkt, sondern das normale Alltagsleben, das nach und nach zerstört wurde. Die Beispiele von Diskriminierung und Verlust aus der Vergangenheit werden mit den entsprechenden Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention zusammengebracht und erhalten so einen Gegenwartsbezug. Eine pädagogische Handreichung ergänzt das Material.

www.annefrank.de


4. Wanderausstellung "Lesen und Schreiben mit Anne Frank"
(Empfehlung: Anne Frank Zentrum Berlin)

Die Wanderausstellung »Lesen und Schreiben mit Anne Frank« des Anne Frank Hauses Amsterdam verbindet frühes historisches Lernen mit der Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen bei Kindern der 4. bis 6. Klasse.

Die jugendgerechte Ausstellung thematisiert im Kontext der Lebensgeschichte Anne Franks ihre Begeisterung für Bücher und fürs Schreiben. Sie regt Jugendliche an, selbst künstlerisch-kreativ schreibend aktiv zu werden.

Ergänzend werden ausgewählte Kinderbücher vorgestellt, die sich mit den Themen Nationalsozialismus, Holocaust und Zweiter Weltkrieg beschäftigen. Methoden des historischen Lernens und der kulturellen Bildung kommen auch im pädagogischen Begleitmaterial zum Einsatz.

www.annefrank.de

Jahresthema 2016

"Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"


Aktueller Stand unserer Projektarbeit - 15.04.16


Unsere Projektleiterin Gabriele Hannemann hat ihre Arbeit inzwischen aufgenommen und war vor den Osterferien mit ihrem Lehrbuch "Marisha, das Mädchen in der Tonne" an Grundschulen in Reinbek, Schwarzenbek und Geesthacht aktiv und hat erste Bewertungsbögen erhoben. Jetzt sollen weitere Einsätze folgen, beginnend in den Grundschulen Aumühle und Mölln, an denen die Lehrmaterialien "Gerne wäre ich geflogen - wie ein Schmetterling" und "Nicht in die Schultüte gelegt. Schicksale Jüdischer Kinder 1933 – 1942 in Berlin" zum Einsatz kommen sollen. Darüber hinaus werden weitere Grundschulen von unser Projektleitung über das Projekt informiert und dort für eine Mitwirkung im Jahresverlauf geworben.

Nach Rücksprache mit der Regiestelle des Bundesprogramms können wir im November zudem die Ausstellung »Lesen und Schreiben mit Anne Frank« des Anne Frank Zentrum Berlin in den Kreis holen und dort an Grundschulen einsetzen. Wir planen derzeit zwei zentrale Einsatzorte im Nord- und Südkreis für jeweils 2 Wochen

Ein sehr positives Ergebnis aus unserer Sicht ist, dass unsere Vermittlungsbemühungen zwischen der Staatskanzlei des Ministerpräsidenten, unserem Bildungsministerium und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem jetzt von Erfolg gekrönt waren. Der Ministerpräsident Torsten Albig hat auf einer Staatsreise in Israel, an der auch Gabriele Hannemann als Delegationsvertreterin teilnahm, die Gedenkstätte besucht und dort eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet auf deren Basis zukünftig Fortbildungen für Lehrkräfte aus Schleswig-Holstein in Israel ermöglicht werden sollen:

Pressemitteilung der Landesregierung
Pressemitteilung der Landesregierung

In Planung befindet sich zudem das erste Netzwerktreffen zum Thema „Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft“. Hier wollen wir im ersten Schritt wichtige Akteure identifizieren und deren Mitwirkung gewinnen und danach ein erstes gemeinsames Planungstreffen organisieren, auf der wir unsere weitere Zusammenarbeit sowie die Arbeitsinhalte abstimmen wollen.

Ebenso in Planung ist die Idee, im Herbst eine Lehrerfortbildungsreihe zusammen mit dem Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) zu unserem Jahresthema „Frühe Prävention“ zu organisieren. Geplant sind in der zweiten Oktoberwoche vor den Herbstferien mehrere Veranstaltungen, jeweils nachmittags für 2 – 3 Stunden an verschiedenen Schulen im Kreis und bei Interesse auch im Land anbieten zu können.

Jahresthema 2016

Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klasse 4)


Die Konzeptwerkstatt Antisemitismus ist eine Weiterentwicklung des Projektes: „Open Mind- Leben mit dem Gelben Stern“. Es verfolgt das Ziel, zeitgemäße pädagogische Konzepte zur Bearbeitung des Themenkomplexes Antisemitismus in historischer und aktueller Perspektive mit Experten aus der Region sowie überregionalen Institutionen zu entwickeln. Die Konzeptwerkstatt wurde bei der Ausschreibung des neuen Bundesprogrammes „Demokratie leben“ des Bundesministeriums als einziges Modellprojekt in Schleswig-Holstein aufgenommen.

In Zusammenarbeit mit Experten*innen von Yad Ruth e.V., vom Anne Frank Zentrum Berlin, von der German Speaking Countries Section der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem oder vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt sollen zeitgemäße Unterrichtskonzepte zur Bearbeitung des Themenkomplexes "Antisemitismus" in historischer und aktueller Perspektive in der schulischen Unterrichtspraxis zusammengestragen, vermittelt, ausgetestet, auf ihre Wirksamkeit evaluiert und abschließend dem zuständigen Bildungsministerium und dem Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) als Empfehlung vorgestellt werden.


Dabei soll jedes Jahr ein besonderer Themenschwerpunkt gebildet werden. Die Lernkonzepte sollen im Unterricht erprobt werden.

Ablauf:

Module: Einführung ins Judentum & Erstbegegnung mit der NS-Zeit

Erprobung des Materials:

  • Nicht in die Schultüte gelegt. Lernwerkstatt für die Grundschule. Schicksale jüdischer Kinder von 1933-1942 in Berlin. Herausgeber Anne-Frank-Haus, Berlin

  • Online-Haus, das Versteck der Anne Frank. Herausgeber Anne-Frank-Haus, Berlin

  • Ich wär so gern ein Schmetterling“ - authentisches Kinderbuch
    Erzählt von Naomie Morgenstern, Herausgeber: Yad Vashem

  • Marisha-Das Mädchen aus dem Fass“ - authentisches Kinderbuch
    Autorin: Gabriele Hannemann


  • Die Arbeitsmaterialien sind speziell für Grundschulkinder gedacht. Ziel ist es die Kinder zu ermutigen, nachzufragen, nachzudenken und Position zu beziehen. Pädagogische Prozesse zu begleiten und Hilfestellungen zu geben.

    Zeitlicher Umfang:

    Modul „Einführung ins Judentum“: insgesamt 8 Schulstunden (2 Projekttage)

    Modul „Erstbegegnung mit der NS-Zeit“ (Einsatz o.g. Materialien): insgesamt 8 Schulstunden (2 Projekttage)

    Durchführung: Gabriele Hannemann, Projektleiterin der „Konzeptwerkstatt Antisemitismus“

    Werkstattthema 2017: „ Nahostkonflikt im Schulraum – Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus im Kontext von Migration“



    Jahresthema 2016

    "Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"


    Arbeitsbericht zur Jahresauftaktkonferenz am 22.01.2016
    Internationale Begegnungsstätte "Lohgerberei"


    Anwesend waren Katrin Thomas, Schulrätin des Kreises Herzogtum Lauenburg, Birte Hewera von der German Speaking Countries Section der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Gedenkstätte Yad Vashem, Larissa Bothe und Veronika Nahm vom Anne Frank Zentrum Berlin, Sophie Schmidt vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, Dr. Kerstin Tschekan und Claus Mangels vom Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), Olaf Kistenmacher von Arbeit und Leben Hamburg, Gaby Hanning, Grudnschule Nordost Schwarzenbek, Gabriele Hannemann (Projektleiterin), auch als Vertreterin des Vereins Yad Ruth e.V., sowie Mark Sauer (Projektorganisation), Vorsitzender des Vereins Miteinander leben e.V..



    Tswi Joseph Herschel eröffnet die Expertenkonferenz
    mit einem Vortrag zu seiner Lebensgeschichte


    Die Einführung in die Konferenz übernahmen zwei ganz besondere Gäste. Tswi Joseph Herschel, Überlebender der Shoa, berichtete über seine Rettung aus dem Amsterdamer Ghetto als Baby, sein Leben versteckt als Kind einer christlichen Familie, die Ermordung seiner Eltern im Vernichtungslager Sobibor, seine Auswanderung nach Israel sowie seine jahrelange Spurensuche zum Schicksal seiner Familie und nach seiner Identität als Jude. Seine Tochter Natalie ergänzte den Bericht aus der Sicht der nachfolgenden Generation und beschrieb, wie direkt sich der Genozid des Holocaust auf das eigene Leben auswirkt. Beide verknüpften ihre Berichte mit einem dringenden Plädoyer, gegen jede Form von Diskriminierung immer wieder Position zu beziehen und gerade die Neugier von Kindern und Jugendlichen zu nutzen und zu stärken, um sich über gerade auch über erzählte Geschichte sich dem Thema „Holocaust“ annähern zu können.


    Im Expertengremium wurde nachfolgend das erste Jahresthema „Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)“ der Konzeptwerkstatt besprochen. Im Fokus standen dabei Lehrkonzepte zur Vermittlung von Erstbegegnungen mit dem Judentum und der Shoa bereits im Grundschulalter ab Klassenstufe 4.


    Larissa Bothe und Veronika Nahm vom Anne Frank Zentrum stellten unterschiedliche Unterrichtseinheiten und -medien vor, die für den Einsatz mit Grundschüler*innen geeignet sind (s. Anlage), allerdings zum Teil nur als feste Angebote für Besuchergruppen im Anne Frank Zentrum Berlin. Für den Werkstattbetrieb konnten jedoch drei digitale Unterrichtsmaterialien empfohlen, die für einen Unterrichtseinsatz in der Schule konzipiert wurden:


    • „Anne Franks Geschichte“ (digitales Unterrichtsmaterial für den Whiteboardeinsatz)
    • „Entdecke das Haus“ (digitales Unterrichtsmaterial für den Whiteboardeinsatz)
    • „Nicht in die Schultüte gelegt. Schicksale Jüdischer Kinder 1933 – 1942 in Berlin“ (ergänzt auch durch ein digitales Modul)

    Sophie Schmidt vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt führte aus, dass in ihrem Haus derzeit noch kein Unterrichtsmaterial für den Grundschuleinsatz entwickelt wurde. Gleichwohl gibt es einige Konzepte aus ihrer Region, die eine auch für einen Einsatz mit Grundschulkindern entwickelt wurden. Als Beispiel beschrieb sie den Stadtrundgang zu jüdischem Leben in der Stadt Langen, der wie eine Spurensuche konzipiert ist und auch mit Grundschulklassen durchgeführt werde.


    Birte Hewera von der International School for Holocaust Studies - Yad Vashem hatte bereits am Vorabend in einer vorgezogenen Arbeitssitzung das Buch „Gerne wäre ich geflogen - wie ein Schmetterling“ erzählt von Naomi Morgenstern und sowie das Buch „Tommy“ mit Unterrichtsmaterial (Vorschule und Klasse 1) vorgestellt, welche für den Einsatz in Grundschullassen entwickelt wurde.


    Gabriele Hannemann präsentierte darüber hinaus das Kinderbuch „Marisha, das Mädchen in der Tonne“, welches sie zusammen mit der Holocaustüberlebenden Malka Rosenthal für genau diese Zielgruppe verfasst und auch schon auszugsweise im Unterricht eingesetzt hat.


    Grundsätzlich stellten Veronika Nahm und Olaf Kistenmacher fest, dass nach Recherchelage zum Themenkomplex Antisemitismus keine Unterrichtsmaterialen für den Grundschulbereich zu finden sind, die nicht den Fokus auf den historischen Antisemitismus der NS-Zeit legen. Altersgerechte Lehrkonzepte zu Themen wie „Jüdisches Leben heute“ in Form von Erstbegegnungen mit dem Judentum fehlen ebenso, wie altersgerechte Unterrichtsmaterialien zum grundsätzlicheren Thema „Diskriminierung“. Dabei sind gerade im Hinblick auf den zuletzt genannten Themenkomplex, dem sich in dieser Altersklasse eher über positiv gestaltete Lehrkonzepte wie „Menschenrechte“ angenähert wird, auch in der Grundschule Diskriminierungserfahrungen für die Schüler*innen in ihrem Alltagsleben durchaus präsent, in Sprachgebrauch, zum Beispiel in der Abwertung von Menschen mit Behinderungen, und natürlich auch in Formen von praktischer Ausgrenzung.


    Im Anschluss diskutierte die Runde über Formen der Evaluation von Unterrichtseinheiten auf Grundlage eines Fragebogenentwurfs, den Mark Sauer einbrachte. Grundsätzlich wurde die Einigung erzielt. Bei der Auswertung von Fragebögen das Online-Tool „Survey Monkey“ einzusetzen und dort ein gemeinsames Account anzulegen. Zu den Fragebögen wurde angemerkt, dass Themenbereiche deutlich getrennt abgefragt und nicht vermischt werden sollen, gerade auch im ungewollte Vorprägungen der befragten Kinder zu vermeiden. So sollen beispielsweise Fragen zum Thema „Judentum“ und zum Thema „Holocaust“ auf getrennten Bögen ausgewiesen werden, um nicht unmittelbar einen sachlichen Zusammenhang herzustellen und von vornherein eine Opferrolle zu implizieren. Dieser Gedanke wurde seitens der Projektverantwortlichen aufgenommen, auch mit dem Hinweis, dass die Unterrichtseinheiten in den Grundschulklassen von je her in geschlossen, abgegrenzten Themenblöcke erfolgen, so dass eine Evaluation auch in dieser Weise erfolgen kann.


    Projektleiterin Gabriele Hannemann skizzierte abschließend den nachfolgend startenden Werkstattbetrieb, der konkret in Reinbek und Schwarzenbek beginnen wird. Erste Evaluationsergebnisse sollen ab September auf der Plattform „Survey Monkey“ erfasst werden. Im Spätherbst wird das Gremium dann wieder zusammentreffen, die Erfahrungen aus dem schulischen Praxiseinsatz bewerten und eine Empfehlung für das Bildungsministerium verfassen.


    Jahresthema 2016

    "Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"


    Antisemitismus früh begegnen Konzeptwerkstatt des Vereins Miteinander leben e.V. lotet pädagogische Zugänge auf Grundschulniveau aus


    Mit einer Jahresauftaktkonferenz hat das vom Bundesprogramm Demokratie leben! geförderte Modellprojekt „ZUGÄNGE SCHAFFEN – Konzeptwerkstatt Antisemitismus“ des Vereins Miteinander leben e.V. in der vergangenen Woche seine praktische Arbeit aufgenommen. Vertreter*innen namhafter Organisationen wie das Anne Frank Zentrum Berlin, die German Speaking Countries Section der International School for Holocaust Studies - Yad Vashem, das  Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, das Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), Yad Ruth e.V. sowie Arbeit und Leben Hamburg  folgten der Einladung, um gemeinsam mit Lehrkräften und Schulrätin Katrin Thomas über unterrichtstaugliche Präventionskonzepte gegen Antisemitismus zu beraten.


    Tswi Joseph Herschel eröffnet die Expertenkonferenz
    mit einem Vortrag zu seiner Lebensgeschichte


    Die Einführung in das Thema übernahmen dabei zwei besondere Gäste. Tswi Joseph Herschel, Überlebender der Shoa, berichtete über seine Rettung aus dem Amsterdamer Ghetto als Baby, sein Leben versteckt als Kind einer christlichen Familie, die Ermordung seiner Eltern im Vernichtungslager Sobibor, seine Auswanderung nach Israel sowie seine jahrelange Spurensuche zum Schicksal seiner Familie und nach Identität als Jude. Seine Tochter Natalie ergänzte den Bericht aus der Sicht der nachfolgenden Generation und beschrieb, wie direkt sich der Genozid des Holocaust auf das eigene Leben auswirkt. Beide verknüpften ihre Berichte mit einem dringenden Plädoyer, gegen jede Form von Diskriminierung immer wieder Position zu beziehen.


    Im Expertengremium wurde nachfolgend das erste Jahresthema „Frühe Prävention“ der Konzeptwerkstatt besprochen, deren Ziel es sein soll, zeitgemäße pädagogische Konzepte zu Bearbeitung des Themenkomplexes "Antisemitismus" in historischer und aktueller Perspektive zusammen mit Experten aus der Region sowie überregionalen Institutionen zu entwickeln, diese in der Unterrichtspraxis zu vermitteln, auszutesten und auf ihre Wirksamkeit zu evaluieren. Im Fokus standen dabei Lehrkonzepte zur Vermittlung von Erstbegegnungen mit dem Judentum und der Shoa bereits im Grundschulalter ab Klassenstufe 4. Larissa Bothe und Veronika Nahm vom Anne Frank Zentrum sowie Birte Hewera von der International School for Holocaust Studies - Yad Vashem stellten entsprechendes Lehrmaterial vor und übergaben dieses der Projektleiterin Gabriele Hannemann für den Testeinsatz in Grundschulklassen. Gabriele Hannemann steuert dazu auch ihr eigenes Kinderbuch „Marisha, das Mädchen in der Tonne“ bei, welches sie zusammen mit einer Holocaustüberlebenden für genau diese Zielgruppe verfasst hat. Im Spätherbst wird das Gremium dann wieder zusammentreffen, die Erfahrungen aus dem schulischen Praxiseinsatz bewerten und eine Empfehlung für das Bildungsministerium verfassen.


    „Es war eine sehr intensive Auftaktsitzung in der generell die Frage aufgeworfen wurde, ob Grundsteine zur Prävention von Diskriminierung nicht schon im Grundschulalter gelegt werden müssen, um später gegen Tendenzen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, wie sie auch der Antisemitismus darstellt, immun sein zu können. Es wurde aber auch deutlich, das pädagogische Konzepte zur Bearbeitung von  Diskriminierung, die bereits im Grundschulalter ansetzen, kaum zu finden sind. Eine aus Sicht aller Experten problematische Feststellung, da erste Diskriminierungserfahrungen durchaus schon in der Grundschule erfolgen“, skizzierte Mark Sauer, Vorsitzender des Vereins Miteinander leben e.V. , die Diskussionslinien des Konferenzverlaufs.