Jahresthema 2016

"Frühe Prävention – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4)"


In Zusammenarbeit mit Experten*innen von Yad Ruth e.V., vom Anne Frank Zentrum Berlin, von der German Speaking Countries Section der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem oder vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt wurden 2016 in der Konzeptwerkstatt zeitgemäße Unterrichtskonzepte für die Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4) zusammengestragen, vermittelt, ausgetestet, auf ihre Wirksamkeit evaluiert und abschließend dem zuständigen Bildungsministerium und dem Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) als Empfehlung vorgestellt.


Die Lernkonzepte wurden im Unterricht erprobt werden.

Ablauf:

Module: Einführung ins Judentum & Erstbegegnung mit der NS-Zeit

Erprobung des Materials:

  • Nicht in die Schultüte gelegt. Lernwerkstatt für die Grundschule. Schicksale jüdischer Kinder von 1933-1942 in Berlin. Herausgeber Anne-Frank-Haus, Berlin

  • Online-Haus, das Versteck der Anne Frank. Herausgeber Anne-Frank-Haus, Berlin

  • Ich wär so gern ein Schmetterling“ - authentisches Kinderbuch
    Erzählt von Naomie Morgenstern, Herausgeber: Yad Vashem

  • Marisha-Das Mädchen aus dem Fass“ - authentisches Kinderbuch
    Autorin: Gabriele Hannemann


  • Die Arbeitsmaterialien sind speziell für Grundschulkinder gedacht. Ziel ist es die Kinder zu ermutigen, nachzufragen, nachzudenken und Position zu beziehen. Pädagogische Prozesse zu begleiten und Hilfestellungen zu geben.

    Zeitlicher Umfang:

    Modul „Einführung ins Judentum“: insgesamt 8 Schulstunden (2 Projekttage)

    Modul „Erstbegegnung mit der NS-Zeit“ (Einsatz o.g. Materialien): insgesamt 8 Schulstunden (2 Projekttage)

    Durchführung: Gabriele Hannemann, Projektleiterin der „Konzeptwerkstatt Antisemitismus“


    Lehrmaterialen im Werkstattbetrieb


    Im Werkstattbetrieb des Projektes "ZUGÄNGE SCHAFFEN" werden aktuell Lehrmittel eingesetzt, die von den Kooperationpartnern für den Einsatz zum Jahresthema "Frühe Prävention - Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klasse 4) empfohlen worden. Es handelt sich um vier Lehrmaterilalien, die in jeweils unterschiedlicher Weise eine kindgerechte Vermittlung des Themas in dieser Altersstufe anstreben:


    1. Gern wäre ich geflogen – wie ein Schmetterling
    (Empfehlung:
    German Speaking Countries Section der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem)


    Idee und Redaktion: Shulamit Imber, Dr. Noa Mkayton
    Zielgruppe: Schüler/innen des 3. und 4. Schuljahres



    Zum Konzept der Unterrichtseinheit:

    1. Das Buch handelt von der persönlichen Geschichte von Hannah Gofrith und ihrer Familie. Über das Medium der Familiengeschichte lernt der Leser auf altersgemäße Art und Weise die zentralen Eckpunkte der Geschichte des Holocaust kennen.

    2. Das Buch führt dem Leser die elementaren Konzepte und Grundbegriffe des Holocaust vor Augen, zum Beispiel: Kennzeichnung der Juden mit dem gelben Stern, Ghetto, Vertreibung, Aufstand, Versteck, Gerechte unter den Völkern, Tod und Überleben. Diese Konzepte und Begriffe werden im späteren Geschichtsunterricht in vertiefter Weise behandelt.
      Ziel in dieser Altersgruppe ist es nicht, die Geschichte des Holocaust zu vermitteln, sondern die Schüler mit den elementaren Konzepten, die in der Geschichte Hannah Gofriths enthalten sind, vertraut zu machen.

    3. Das Buch ist in Kapitel aufgeteilt, die die fortlaufende Geschichte von Hannahs Leben erzählen. Jedes Kapitel ist einem eigenen Thema gewidmet. Es ist nicht notwendig, sämtliche Kapitel zu unterrichten, und das Auslassen einzelner Kapitel beeinträchtigt nicht notwendig den kontinuierlichen Erzählfluss. Die Kapitel, die mit der jeweiligen Klasse besprochen werden sollen, sind sorgfältig auszuwählen.

    4. Während der gesamten Geschichte begleitet die erwachsene Figur der Hannah den jungen Leser. Auf diese Weise bleiben die Schüler nicht sich selbstüberlassen, wenn sie die furchtbare Geschichte kennenlernen.

    5. Das Buch erzählt Hannahs Geschichte vor, während und nach dem Holocaust. Damit werden wir der Überzeugung gerecht, dass wir, um das Ausmaß des Verlustes erfassen zu können, vertraut sein müssen mit jüdischem Leben vor dem Holocaust.

    http://www.yadvashem.org/yv/de/education/lesson_plans/butterfly.asp
    https://www.yadvashem.org/yv/de/education/lesson_plans/butterfly_laferton.pdf

    2. Marisha,  das Mädchen aus dem Fass
    (Empfehlung: Yad Ruth e.V.)


    Von Gabriele Hannemann (Projektleiterin)
    Illustrationen von Inbal Leitner

    Es war kein Versteckspiel, aber ein verdammt gutes Versteck. Wo andere Kinder beim Spielen abenteuerlustig für ein paar Minuten hineinkriechen, muss Marisha eineinhalb Jahre ausharren. In einem dunklen Fass! Marisha ist Jüdin und darf nicht gefunden werden.

    Dieses Buch erzählt die wahre Geschichte der kleinen Marisha, die ohne Vater und Mutter ganz tapfer sein muss.

    Wie schafft man das? Und wer hat ihr dabei geholfen? In kindgerechter Sprache erzählt Gabriele Hannemann von der Flucht aus dem Ghetto, vom Hunger, von der Angst, vom Tod und vom Überleben Marishas bis hin zu ihrer Überfahrt auf der Exodus nach »Eretz Israel«, dem Land Israel.

    Mit dieser authentischen Geschichte ermöglicht Gabriele Hannemann Kindern eine kindgerechte, emotional ansprechende und sensible Erstbegegnung mit der Shoah.

    Besonders geeignet für den Unterricht.

    Gabriele Hannemann, ist Lehrerin für Englisch, Deutsch und Religion. Seit 2004 unterrichtet sie im Rahmen des Bildungsprojektes. Open Mind – Leben mit dem Gelben Stern (ein Unterrichtsangebot für Klasse 4 bis 13 in Schleswig-Holstein). Sie ist Mitgründerin und 1. Vorsitzende von Yad Ruth e. V. in Hamburg zur Unterstützung von bedürftigen jüdischen Holocaustüberlebenden in Israel und Osteuropa, speziell im Baltikum und in Moldawien. 2013 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

    Inbal Leitner absolvierte die Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem und arbeitet als Illustratorin und Animationskünstlerin. Mit ihrem Filmen hat sie an internationalen Filmfestivals wie Annecy (Frankreich), Safo (Kanada) und Anima Mundi (Brasilien) teilgenommen. Sie illustriert Kinderbücher bekannter Autoren, darunter Uri Orlev oder Janusz Korczak. Inbal Leitner lebt mit ihrer Familie in Pardes Channa, Israel.

    www.waldworte.eu


    3. Nicht in die Schultüte gelegt. Schicksale jüdischer Kinder 1933-1942 in Berlin 

    (Empfehlung: Anne Frank Zentrum Berlin)

    Das Anne Frank Zentrum beschäftigte sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Frage, wie die Themen Nationalsozialismus und Judenverfolgung mit Schülerinnen und Schülern der Grundschule bearbeitet werden können. In der Verbindung aus pädagogischer Praxis und fachdidaktischer Reflektion entstand ein Material zur Arbeit in Lernwerkstätten und außerschulischen Projekten.

    Das Lernmaterial bietet einen Einstieg in das Thema Nationalsozialismus für Kinder ab Klasse 4. Es basiert auf Alltagsgeschichten und Fotos von sieben Schülerinnen und Schülern, die von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt wurden. Es stellt nicht die Verbrechen der Nationalsozialisten in den Mittelpunkt, sondern das normale Alltagsleben, das nach und nach zerstört wurde. Die Beispiele von Diskriminierung und Verlust aus der Vergangenheit werden mit den entsprechenden Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention zusammengebracht und erhalten so einen Gegenwartsbezug. Eine pädagogische Handreichung ergänzt das Material.

    www.annefrank.de


    4. Wanderausstellung "Lesen und Schreiben mit Anne Frank"
    (Empfehlung: Anne Frank Zentrum Berlin)

    Die Wanderausstellung »Lesen und Schreiben mit Anne Frank« des Anne Frank Hauses Amsterdam verbindet frühes historisches Lernen mit der Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen bei Kindern der 4. bis 6. Klasse.

    Die jugendgerechte Ausstellung thematisiert im Kontext der Lebensgeschichte Anne Franks ihre Begeisterung für Bücher und fürs Schreiben. Sie regt Jugendliche an, selbst künstlerisch-kreativ schreibend aktiv zu werden.

    Ergänzend werden ausgewählte Kinderbücher vorgestellt, die sich mit den Themen Nationalsozialismus, Holocaust und Zweiter Weltkrieg beschäftigen. Methoden des historischen Lernens und der kulturellen Bildung kommen auch im pädagogischen Begleitmaterial zum Einsatz.

    www.annefrank.de