Projektarbeit

"Kein Kinderspiel"

Ausstellung des Freundskreises Yad Vashem im Rathaus trifft auf großes Interesse bei Ratzeburger Schulen

Zahlreiche Schulklassen nutzen in den vergangenen 14 Tagen das Angebot des Ratzeburger Bündnisses, die Ausstellung "Kein Kinderspiel" des Freundeskreises Yad Vashem e.V. im Ratsaal des Ratzeburger Rathauses zu besuchen.

Kinderspiel

OPEN MIND - Projektleiterin Gabriele Hannemann
arbeitet zum Thema "Judentum" mit Schülern der
Pestalozzischule Ratzeburg

In Zusammenarbeit mit dem Jugendbildungsprojekt OPEN MIND des Vereins Miteinander leben e.V. war die erfolgreiche Wanderausstellung, in der es um die Lebensumstände jüdischer Mädchen und Jungen in der Nazizeit geht, in den Kreis geholt worden, um jungen Menschen parallel zu ihrem Geschichtsunterricht eine Möglichkeit zu geben, durch die Fokussierung auf jüdische Kinderschicksale, einen persönlichen Bezug zur Thematik des Holocausts entwickeln zu können. Sehr intensiv nutzen diese Gelegenheit die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Ratzeburg, die mit nahezu allen 9. und 10. Klassen das Rathaus aufsuchten, aber auch die Pestalozzischule sowie die Produktionsschule der BQG Personalentwicklung GmbH gehörten zu den Besuchern. Die Schülerinnen und Schüler konnten während des Ausstellungsbesuches zusammen mit Projektleiterin Gabriele Hannemann auch inhaltlich an den Themen "Judentum" und "Holocaust" arbeiten. Dazu hatte Gabriele Hannemann zahlreiche Kultgegenstände des jüdischen Glaubens sowie spannende Buchbeispiele mitgebracht, an denen man das Wissen greifbar gestalten und interessant vertiefen konnte. Besonders beeindruckt zeigten sich viele Schülerinnen und Schüler von der Videodokumentation zur Ausstellung, in der Überlebende des Holocaust exemplarisch ihre Lebensgeschichten erzählten.

 

Erfolgreiche Bilanz der Anne-Frank-Ausstellung in Mölln

Nach vier Wochen ist am vergangenen Wochenende die Ausstellung „Anne Frank – Eine Geschichte für heute“ im regionalen Berufsbildungszentrum Mölln zu Ende gegangen, aus Sicht der Organisatoren mit einer großartigen Bilanz.

Anne Frank

Ausstellungbegleitung auf Augenhöhe
 

Anne Frank

Exkursion der VHS Ratzeburg zur
Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg

„Rund 1.275 Schüler haben die Anne-Frank-Ausstellung in Regionalen Berufsbildungszentrum (BBZ) besucht, darunter Klassen aus Sandesneben, Ratzeburg und Schwarzenbek. Auch das facettenreiche Begleitprogramm, das mit einer Lesung von Lea Feynberg in Ratzeburg und einer Exkursion zur Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg abgeschlossen wurde, fand Anklang bei etwa 300 Besuchern“, skizzierten Mark Sauer und Sieghard Bußenius vom Verein Miteinander leben e.V. sowie Gabriele Hannemann vom Projekt OPEN MIND den erfolgreichen Verlauf. Dieser Erfolg wurde nur durch eine enge Kooperation von zahlreichen Institutionen und Initiativen im Kreis möglich. So beteiligten sich die Stiftung Herzogtum Lauenburg, die Volkshochschule Ratzeburg, der Verein Yad Ruth e.V., die Katholischen und Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden, der Filmclub Burgtheater Ratzeburg e.V. und der Folkclub mit eigenen Impulsen und Veranstaltungen.

Dieser positiven Bewertung schlossen sich auch Schulleiter Ulrich Keller und Lehrerin Heike Heitmann, in deren Händen die Betreuung der Ausstellung im BBZ lag, aus pädagogischer Sicht an. „Das Konzept des Anne Frank Zentrums, Schüler als Ausstellungsführer auszubilden und einzusetzen, hat sich sehr bewährt und die Ausstellungsinhalte den Besucherklassen auch auf einer persönlichen Ebene vermitteln können.“

test

Zeitzeugengespräch mit Batsheva Dagan zur
Eröffnung der Ausstellung (Foto: Jens Butz)
 

test

Schulleiter Ulrich Keller (hi. li.) und Heike Heitmann
(vr. re.) mit ihren Ausstellungsbegleiter aus Mölln,
Ratzeburg und Sandesneben sorgten für den großen
Erfolg der Ausstellung

Schulleiter Ulrich Keller bedankte sich persönlich bei den Ausstellungsbegleitern, die für ihr Engagement ein Zertifikat sowie eine Einladung ins Anne-Frank-Zentrum in Berlin erhielten. Dieser Dank schloss auch die beiden erwachsenen Ausstellungsbegleiter Solveig Steinkamp und Karl Rauth ein, die an verschiedenen Tagen Führungen für die allgemeine Öffentlichkeit durchführten.

Dankbar zeigte sich Mark Sauer über die Förderung durch den Lokalen Aktionsplan des Kreises Herzogtum Lauenburg. „Mit den Mittel des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ des Bundesfamilienministerium konnten wir einmal mehr einen nachhaltigen Schwerpunkt in Mölln und der Region für Vielfalt, Toleranz und Demokratie bei jungen Menschen setzen.“

Zur weiteren Bearbeitung der Anne-Frank-Ausstellung findet am 5. und 6. Mai jeweils ab 16:00 Uhr ein Podcast-Workshop im Möllner Jugendzentrum "Takt - los" statt. Dabei werden die Besucher der Ausstellung in 3 bis 5 minütigen Radiobeiträgen ihre Empfindungen, Eindrücke und Ideen zusammenfassen können und über das Internet im "Deutschradio24sieben" veröffentlichen und mit dem deutschsprachigen Publikum weltweit teilen.

LAP

 

"Eine Reise nach Jerusalem"

Möllner Jugendbildungsprojekt OPEN MIND vermittelt zweite Lehrerfortbildung an der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Israel

Wie den Holocaust unterrichten im 21. Jahrhundert?“ 17 Lehrerinnen und Lehrer aus Schleswig-Holstein und Hamburg reisten auf Vermittlung des Möllner Jugendbildungsprojektes „OPEN MIND - Leben mit dem gelben Stern“ des Vereins Miteinander leben e.V. sowie des Vereins Yad Ruth e.V. Ende Mai nach Israel, um sich in der Jerusalemer Mahn- und Gedenkstätte „Yad Vashem“ durch die „International School of Holocaust Studies“ zu dieser Frage intensiv fortzubilden. An fünf Tagen wurde in verschiedenen Seminaren an pädagogischen Konzepten gearbeitet sowie Unterrichtsmaterialien erprobt, die den verschiedensten Bedürfnissen der Länder, Schulformen und Erfahrungen aus der Praxis angeglichen sind.

Jerusalem

Lehrkräfte aus Schleswig-Holstein und Hamburg
nutzten die einmalige Gelegenheit zu einer
umfassenden Fortbildung an der „International School
of Holocaust Studies“ in der Jerusalemer Mahn- und
Gedenkstätte „Yad Vashem“
 

Jerusalem

Eine Exkursion führte auch an die Grundschule in
Beertuvia. Schüler präsentieren Gudrun Demuth
(hinten links), Gabriele Hannemann und Michael Noch
ihr Holocaustmuseum mit Exponaten ihrer Großeltern

Parallel zur Fortbildung hatte Projektleiterin Gabriele Hannemann ein umfassendes Rahmenprogramm organsiert. Vermittelt über ihre langjährigen Kontakte nach Israel, gab es unter anderem ein persönliches Treffen mit den Überlebenden in Holon und Tel Aviv, ebenso wurde ein Besuch an einer Grundschule in Beertuvia ermöglicht, in der Schüler mit Erinnerungsstücken ihrer Großeltern ein Holocaustmuseum aufgebaut haben und die sehr offen für eine Schulpartnerschaft in Deutschland ist.

„Die Shoa zu unterrichten ist immer wieder eine Herausforderung, auch für die routiniertesten Lehrkräfte. Nach dem intensiven Input in Jerusalem kann ich sagen, dass es sich mehr als gelohnt hat. Das Seminar war glänzend organisiert, die Referentinnen und Referenten waren fachlich und methodisch ausgezeichnet, wenn nicht mitreißend.“, sagte Exkursionsteilnehmerin Lucie Kuhse. Die durchweg positiven Rückmeldungen zur zweiten Fortbildungsreise nach Israel sind für Gabriele Hannemann vom Jugendbildungsprojekt OPEN MIND eine Bestärkung, auch im kommenden Jahr wieder ein solches Angebot für interessierte Lehrkräfte in der Region zu schaffen. Daran ist auch der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem sehr gelegen, die während der Seminartage ihr Interesse signalisiert hat, die Kooperationsbeziehungen nach Schleswig-Holstein weiter vertiefen zu wollen.

 

"Die Erinnerung wach halten..."

Expertin der International School of Holocaust Studies in Yad Vashem gibt Lehrkräften Einblicke in die zeitgemäße Vermittlung des Holocausts bei jungen Menschen

18 Lehrkräfte aus dem gesamtem Kreisgebiet folgten vor den Herbstferien der Einladung des Vereins Miteinander leben e.V., im Rahmen des Projektes OPEN MIND an einer pädagogischen Fortbildung der International School of Holocaust Studies in Yad Vashem teilzunehmen, die in Kooperation mit dem Berufsbildungszentrum Mölln durchgeführt wurde. Referentin Deborah Hartmann, eigens aus Jerusalem angereist, erläuterte neueste wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie die Shoa aus Sicht der dritten und vierten Generation in Israel und Deutschland rezipiert und in welcher Form für gewöhnlich an den Holocaust im 21. Jahrhundert erinnert wird. Im Vordergrund stand dabei die Frage, welche Inhalte und Formate für SchülerInnen noch ansprechend sind, ohne eine pädagogische Übersättigung bei dem Thema zu erzielen.

Deborah Hartmann

Deborah Hartmann von der International
School of Holocaust Studies in Yad Vashem

Aus dem pädagogische Konzept der Gedenkstätte Yad Vashem konnte Deborah Hartmann zahlreiche praktische Anregungen geben. So erläuterte sie als gutes Beispiel ein Designprojekt, das für die facettenreiche und kollektive Erinnerungsarbeit Postkarten im Unterricht einsetzt. Gabriele Hannemann, Leiterin von OPEN MIND-Projektes "Leben mit den gelben Stern" freute sich, dass mit dieser Veranstaltung die mehrjährige Kooperation des Möllner Projektes mit der Gedenkstätte Yad Vashem weiter ausgebaut werden konnte. In den vergangenen Jahren waren bereits mehrere Ausstellungen gemeinsam durchgeführt wurden und im vergangenen Jahr erstmalig ein zweiwöchiger Seminarbesuch von Lehrkräften aus der Region in Israel zustande gekommen. "Ich besuche die Gedenkstätte regelmäßig zu Fachtagungen und weiß, dass dort großes Interesse besteht, die Zusammenarbeit mit Schulen in Schleswig-Holstein über das Projekt OPEN MIND noch zu vertiefen", sagte Gabriele Hannemann.

 

Gabriele Hannemann mit dem
Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Seit 2002 leitet Gabriele Hannemann das Jugendbildungsprojekt OPEN MIND - "Leben mit dem gelben Stern" für den Verein Miteinander leben e.V. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um junge Menschen für die vielfältigen Facetten von Ausgrenzung und Rassismus zu sensibilisieren und ein Verständnis für den demokratischen Umgang mit Minderheiten zu fördern und hat in ergangenen 11 Jahren mehr als 6.000 junge Menschen sowie rund 700 Lehrkräfte erreichen können.

Gabriele Hannemann

Bild: Bundesregierung/Sebastian Bolesch

Von Beginn hat Gabriele Hannemann als besonderen Arbeitsschwerpunkt im Jugendbildungsprojekt OPEN MIND die Themen "Judentum", "Antisemitismus" und "Holocaust" verankert und immer wieder mit ihrer Tätigkeit im Verein Yad Ruth e.V. verknüpft, der zahlreiche jüdische Zeitzeugen des Holocaust in die Schulen der Region vermitteln konnte.

Für ihr außergewöhnliches Engagement ist Gabriele Hannemann in einer Feierstunde im Berliner Schloß Bellevue jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Das Bundespräsidalamt begründete die Ehrung von Gabriele Hannemann wie folgt:

"Gabriele Hannemann setzt sich seit über 20 Jahren für Holocaust-Überlebende in Osteuropa sowie in Israel ein. Außerdem macht sie sich dafür stark, dass junge Menschen in Deutschland besser über den Holocaust aufgeklärt werden.

Nach zunächst privatem Engagement für die jüdischen Überlebenden in Israel gründete Gabriele Hannemann 1995 den Verein Yad-Ruth, das „Gedenken“. Durch Geldspenden, Besuche vor Ort, Chanukka-Pakete sowie Medikamente und Kleidung wurden bedürftige Juden in Israel und später auch in Lettland, Litauen sowie Moldawien und Äthiopien un-terstützt. Darüber hinaus leistet Gabriele Hannemann Aufklärungsarbeit in Schulen und Kirchen durch regelmäßige Informationsveranstaltungen mit Berichten von Holocaust-überlebenden und durch Besuche von Konzentrationslagern. Sie zeigt Filme und hält Vorträge über das jüdische Leben sowie den jüdischen Glauben. Der Verein Yad Ruth ist Kooperationspartner des vom Verein „Miteinander leben“ getragenen Projektes „Open Mind - Kinder mit dem gelben Stern“. Gabriele Hannemann ist Ansprechpartnerin dieses Unterrichtsangebotes für Schüler der 4. bis 13. Klasse. Sie vermittelt auch Kontakt zu Zeitzeugen und besucht mit den Schulklassen KZ-Gedenkstätten."

Der Vorstand des Vereins Miteinander leben e.V. zeigte sich über die ehrenvolle Auszeichnung für Gabriele Hannemann hoch erfreut. "Die besondere Wertschätzung, die mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ausgedrückt wird, teilen wir schon seit elf Jahren im Verein Miteinander leben e.V., wenn wir auf das blicken, was Gabriele Hannemann hier mit uns zusammen geleistet hat und hoffentlich noch lange leisten wird", sagte der Vereinsvorsitzende Mark Sauer.